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Auf der Karte wirkt sie ein wenig verloren, die nur 316 km² große Inselgruppe Malta, Gozo und Comino 100 km südlich von Sizilien. Trotzdem galt sie über Jahrtausende vielen Völkern als Schlüssel zur Macht im Mittelmeer, den lange der mächtige Johanniterorden und später die Briten verteidigten. Gerade die Vorliebe dieser Nation für sonnige Urlaubswochen hat auf Malta früh eine gute Hotelinfrastruktur etabliert. Neben Beachlife und mediterranem Klima sind die mehr als 3000 Jahre alten Tempelbauten, z.B. das Hypogäum Hal Saflieni, Hagar Qim und Mnajdra, sowie die bizarren Dingli Cliffs an Maltas Südküste, wo man auch Wandern und Biken kann, die großen Attraktionen des Archipels. Unter den Wassersportarten steht Tauchen an erster Stelle. Eintauchen in die Geschichte des Mittelalters heißt es in der Hauptstadt Valetta, das der Ritterorden als gigantische Festung ausbaute. Schmucke Städtchen mit Festungscharakter sind Mdina und Gozos Hauptstadt Rabat. Kulinarische Genüsse mit Fisch und Meeresfrüchten verspricht der Hafen Marsaxlokk. Ein lebendiges Kunsthandwerk wie Glasblasen und Spitzenklöppeln findet man auf Gozo, ein aufregendes Nachtleben in St. Julian's und Paceville. Valletta Valletta liegt auf einer imposanten Halbinsel, umgeben von dem großartigsten Naturhafen der Welt. Nach der erfolgreichen Abwehr der Türkenbelagerung 1565 durch den Johanniterorden, der sich seit dem Mittelalter der Krankenpflege widmet, wurde sie als erste europäische Stadt der Neuzeit auf dem Reissbrett entworfen und ist seither das kulturelle und politische Zentrum Maltas. Lange Treppenfluchten, gigantische, zum Teil aus dem gewachsenen Fels geschnittene Wehrmauern und Bastionen, enge Straßenschluchten, hohe Balkone sowie stattliche Paläste des Großmeisters und der Ritter geben Valletta ihr unverwechselbares Gesicht. Die Flaniermeile Republic Street, stimmungsvolle Restaurants, kleine Läden, gemütliche Terrassencafés und die Barracca Gardens laden zum Bummeln und Verweilen ein. Nach der zweiten großen Belagerung im Zweiten Weltkrieg, in dem zahlreiche Gebäude schwer beschädigt wurden, präsentiert sich das vorbildlich restaurierte Valletta heute in seinem alten Glanz. Dingli Cliffs Die bis zu 257 m hohe Steilküste ist für die Bewohner der Ballungsräume um Valletta ein beliebtes Ausflugsziel. Hier erlebt man den Sonnenuntergang mit dem kleinen Eiland Filfla in der Ferne besonders eindrucksvoll. Die Steilküste fällt in mehreren Terrassen zum Meer hin ab, auf denen dank der fruchtbaren Tonerde Wein, Obst und Gemüse angebaut werden. Die beständigen Winde ließen eine meist nur niedrige Macchiavegetation entstehen. Eine der interessantesten archäologischen Stätten sind die Schleifspuren (cart ruts) der Clapham Junction, die die Briten an den gleichnamigen Londoner Bahnhof erinnerten. Insgesamt 27 paarweise Rillen, die sich zum Teil überschneiden, wurden bis zu 50 cm in den Kalkstein eingeschliffen. Noch heute ist unklar, ob es sich dabei um prähistorische Wegrinnen für Karren oder Schlitten handelt. Unweit der cart ruts befindet sich Ghar il-Kbir, eine der zahlreichen Höhlen auf Malta, die der Bevölkerung seit dem Mittelalter als Zuflucht bei Piratenüberfällen dienten. Hypogäum Hal Saflieni Orakelstätte weissagender Priester? Prähistorisches Kultzentrum der Insel? Initiationsstätte für Priesterinnen? Bis heute rätseln die Archäologen über die einstige Bedeutung dieses kostbaren Kulturdenkmals. 1902 wurde das bis zu 10 m in den Kalkstein eingetiefte Hypogäum zufällig beim Bau einer Zisterne inmitten der Stadt Paola entdeckt. Auf drei Etagen wechseln sich so genannte Orakelnischen, mit Spiralmustern dekorierte Hallen und fensterartige Grabkammern ab, in denen sich tausende menschliche Knochen fanden. Eine exakte Nachahmung einer Tempelfassade vermittelt ein gute Vorstellung vom ehemaligen Aussehen der oberirdischen Bauten. Keramik und andere Kleinfunde lassen auf eine Entstehung in der Jungsteinzeit (Neolithikum) um 3500-2500 v. Chr. schließen. Etwa 500 m entfernt erbaute man die großen vorzeitlichen Tempelanlagen von Tarxien. Ihre Reliefs mit Tieren, Spiralen und anderen geometrischen Ornamenten haben schon viele Künstler inspiriert. Marsaxlokk Marsaxlokk ("Hafen der warmen Winde") ist das schönste Fischerdorf Maltas. Es liegt in einer weiten Bucht zwischen den beiden Landzungen Benajsa Point und Delimara Point. Von hier aus begannen die Türken 1565 die "Große Belagerung" Vallettas. Vor den Kaianlagen des Hafens schaukeln malerisch die traditionell bunt bemalten Luzzi im Wasser. Ein Augenpaar am Bug schützt die kleinen Fischerboote vor Unheil. Die Promenade, hinter der die rote Kuppel der doppeltürmigen Pfarrkirche Our Lady of Pompeji zu sehen ist, lädt mit ihren Fischlokalen zum Verweilen und Spazierengehen ein. Besonders lebhaft ist Marsaxlokk am Sonntag, wenn die Händler auf dem bunten Markt Gemüse, Obst, frisch eingelegte Kapern, Tinten- und Schwertfische, Krabben, Stoffe und Spielwaren feilbieten. Etwa 2 km entfernt kann man in Ghar Dalam ("Höhle der Finsternis") den ältesten menschlichen Spuren auf der Insel, aus der Zeit um 5000 v. Chr., nachspüren. Unzählige Knochen längst ausgestorbener Tierarten konnten aus ihrem Innern geborgen werden. Mellieha Bay Die windgeschützte Bucht zwischen zwei von fruchtbaren Terrassenfeldern und Gärten charakterisierten Hügelrücken ist das Paradies der Wassersportler auf Malta. Schöne Sandstrände und Bars verführen zu ausgedehnten Badeaufenthalten, an Kiosken kann man Surfbretter, Paddel- und Motorboote ausleihen. Der Ort Mellieha auf der Anhöhe der Mellieha Ridge beherrscht die gesamte Bucht. Seine barocke Pfarrkirche und die darunterliegende Höhlenkirche sind beliebte Wallfahrtsziele. Fast an der schmalsten Stelle der Insel, auf der Marfa Ridge, errichteten die Johanniter den Red Tower, der mit einer wunderbaren Aussicht auf die Nachbarinseln Gozo und Comino besticht. Im Innern der Bucht wurde das Feuchtbiotop Il-Ghadira mit seiner Buschvegetation und seltenen Vogelarten als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Dieses attraktive Ambiente schätzen viele Malteser, die hier alte Bootsschuppen zu kleinen Wochenendhäusern umgebaut haben. Mdina Weithin sichtbar auf einem Hochplateau breitet sich Mdina mit seinen verwinkelten Gassen, stattlichen Palästen und kleinen Läden aus. Bis zur Übernahme Maltas durch den Johanniterorden 1530 war die Stadt das politische und kulturelle Zentrum während der phönizischen, römischen und arabischen Zeit. Am zentral gelegenen St. Paul’s Square zieht die monumentale Fassade der Cathedral of St. Peter and St. Paul die Aufmerksamkeit auf sich. Auf den Fundamenten einer normannischen Kirche konstruierte der Architekt des maltesischen Spätbarock, Lorenzo Gafà, 1697-1702 das Gotteshaus mit einer mächtigen Kuppel. Der freskengeschmückte Innenraum zeigt Szenen aus dem Leben des hl. Paulus sowie alte Grabplatten von Rittern und hohen Würdenträgern. Der Palazzo Falzon aus dem 15. Jh. ist mit seinen Zierwülsten und Zwillingsfenstern ein Meisterwerk des normannischen Stils. Im stimmungsvollen Innenhof, in dem der Brunnen und eine Steintreppe die Akzente setzen, fühlt man sich ins Mittelalter zurückversetzt. Hagar Qim und Mnajdra Tempel (Temples of Hagar Qim and Mnajdra) Pittoresk entlang eines breiten Hanges erstrecken sich zwei der bedeutendsten prähistorischen Tempelkomplexe Maltas. Die drei Tempel Mnajdras aus dem 4. Jt. v. Chr. wurden aus einem harten witterungsbeständigen Korallenkalk erbaut. Typisch für sie ist ein kleeblattförmiger Grundriss und an manchen Monolithen ein Dekor mit hunderten gebohrten Punkten. Der weiche Muschelkalk des jüngeren Tempels von Hagar Qim, im 3. Jt. v. Chr. errichtet, widerstand der Erosion nur schlecht und ist daher weit weniger gut erhalten. Nach dem Durchgang durch die beeindruckende restaurierte Tempelfassade gelangt man in sechs ovale Tempelräume, die durch fensterartige Öffnungen von halbrunden Nebenräumen geteilt sind. Pilzförmige Altäre dienten für Opfer und kultische Handlungen. Hier fand man die meisten der so genannten "Fat Ladies", Frauenstatuetten mit großen Brüsten und mächtigen Oberschenkeln, die als Fruchtbarkeitssymbole interpretiert werden. Verdala Palace Der Verdala Palace auf dem höchsten Punkt der Insel wurde 1586 vom damaligen maltesischen Stararchitekten Gerolamo Cassar für den Großmeister und Kardinal Loubeux de Verdalle errichtet. Auf einem annähernd quadratischen Grundriss erhebt sich das dreistöckige Gebäude mit den schlichten, symmetrisch verteilten Renaissancefenstern. Wehrhafte Ecktürme und ein Graben vor dem Haupteingang an der Nordfassade betonen den Verteidigungscharakter des schlossähnlichen Palastes. Heute wird er als Herberge prominenter Staatsbesucher genutzt ist deshalb nicht zugänglich. Majestätisch ragt das helle, weithin sichtbare Mauerwerk über den grünen Buskett Gardens empor. Dieser größte Wald Maltas wurde nach französischem Geschmack mit Zitronen- und Orangenbäumen, Steineichen, Zypressen und Weinstöcken als Jagdrevier von den Johannitern angelegt. Vor allem an den Wochenenden suchen ihn die Einheimischen als Schatten spendenden Park zum Erholen und Picknicken auf. |
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