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Kreta, die Geburtsstätte des Zeus, zählt zu den schönsten Flecken Griechenlands. Eine sehr abwechslungsreiche, herrliche Landschaft, Ausgrabungsstätten alter Kulturen, allen voran das minoische Knossos, sowie lebendige Urlaubsorte mit Flair liegen hier eng beisammen. Hinter den Stränden der Nordküste haben die Kreter Tavernen und Hotels, Diskos und Bars, Souvenirläden und Boutiquen für viele Geschmäcker errichtet. In der Saison geht in Orten wie Agios Nikolaos bei Tag und Nacht die Post ab. In Chania oder Rethimnon stehen die charmanten Hafenbuchten im Mittelpunkt des abendlichen Treibens. Iraklion ist primär wegen seines Archäologischen Museums interessant. Stiller präsentiert sich der Süden. Die Steilküste lässt immer wieder Platz für winzige Strände. Zugleich enden dort spektakuläre Schluchten, Samaria Farangi ist nur die bekannteste von ihnen und im Sommer recht überlaufen. Im Innern der Insel bieten die Hochebene um Lassithi und die Bergwelt den Wanderern vor allem zur Frühjahrsblüte ein einzigartiges Naturerlebnis. Über den Höhen kreisen Adler, Ziegen kreuzen die einsamen Wege. Iraklion Die wichtigste Stadt Kretas sieht zunächst hässlich aus. Doch nähert man sich dem Chaos aus weiß-grauen Betonhäusern, leuchtet hier und da ein kleines Juwel auf. Iraklion ist ein beeindruckendes Ausflugsziel, aber kein Ort, an dem man seine ganzen Ferien verbringt. Auf der Platia Venizelou erinnert der Morosini-Brunnen an die Zeit der Venezianer. Vor den Cafés lauern Einheimische wie Touristen auf freie Stühle. Ein paar Schritte weiter preisen Händler in der quirligen Marktgasse Odos 1866 lautstark Tomaten und Fische an. Als Kontrastprogramm empfiehlt sich ein Spaziergang zum venezianischen Hafen mit dem Kastell oder ein Besuch im archäologischen Museum. Die Touristen stehen Schlange vor Vitrinen mit minoischem Goldschmuck und kunstvollen Vasen - Stücken von Weltrang. Auf Kreta haben die Künstler vor Jahrtausenden so kreativ gearbeitet, dass sie mit ihren Entwürfen heutige Designer inspirieren. Knossos Die größte Palastanlage Kretas zieht jedes Jahr wahre Touristenströme in ihren Bann. Der Engländer Arthur Evans hat aus den Ruinen ein fantasievolles, faszinierendes Ensemble aus unvollendeten Sälen, aus Höfen und Säulen geschaffen. Ab 2000 v.Chr. begannen die Minoer, auf dem Terrain von Knossos ihren Königen einen gewaltigen Palast zu bauen. Mächtige Quader wurden zu meterhohen Mauern aufgeschichtet. Die Wissenschaftler rätseln, was sie zu Fall brachte; vermutlich waren es Erdbeben. Die heutigen Reste gehen auf einen Wiederaufbau von 1700 v.Chr. zurück. Die Besucher von Knossos wandeln über Prozessionswege, die Menschen vor 4000 Jahren beschritten haben. Sie spazieren an den Überresten eines Theaters vorbei, betrachten Tongefäße zur Lagerung von Olivenöl. An halbfertigen Wänden leuchten rekonstruierte Fresken in bunten Farben: Da springt ein junger Mann über einen Stier, wunderschöne Delphine spielen. Im "Thronsaal" erstaunt eine Art Sessel, im Raum der Königin eine Badewanne. Die Minoer wussten, was Luxus ist. Rethimnon Das Städtchen zählt zu den großen Attraktionen der Insel. Türkische, venezianische und kretische Kultur durchdringen einander. Die Altstadt beginnt am Hafen, kretische Studenten und Touristen aus aller Welt sorgen für lebhaften Trubel in ihren Gassen. Den besten Blick auf das bunte Treiben genießt man von der Festung (Fortezza). Die Häuser der Altstadt geben sich multikulturell mit steingefassten Portalen à la Venezia oder Holzerkern aus der Türkenzeit. Minarette überragen die Gassen. Am Rimondibrunnen dröhnt aus den Cafés Technosound, zuweilen abgelöst von kretischer Lyramusik. Am Abend gilt der venezianische Hafen als romantischstes Fleckchen der Stadt. Die Tavernenlichter spiegeln sich im Wasser des Hafenbeckens, die Tische stehen direkt am Kai, an den uralten Häusern hat die Zeit ihre Spuren hinterlassen. In Rethimnon beginnt außerdem einer der längsten Badestrände Kretas. Sonnenbad und Strandhotel, Nightlife und Stadtbummel gehören in diesem lebhaften Städtchen zusammen. Festos Der minoische Palast von Festos erstreckt sich auf einem flachen Hügel in der Messara-Ebene. Von der Palastanlage reicht der Ausblick über die fruchtbare Ebene mit ihren Getreidefeldern und Olivenhainen weit hinüber zu den Gipfeln des Ida-Gebirges. Die Überreste des Palastes sind so freigelegt, wie die Mauern wohl um 1450 v.Chr. gestanden haben. Es macht Spaß, dieses verwirrende Labyrinth zu erkunden. Wo die riesigen Krüge aus lehmroten Ton stehen, waren sicher die Vorratsräume. Die beeindruckende Freitreppe, immerhin 14 Meter breit, kann auch als Tribüne für die Zuschauer gedient haben, welche die religiösen Zeremonien auf dem Westhof beobachteten. Vor Jahrtausenden reichten die Häuser der minoischen Stadt bis an den Palast heran, Festos war eine bedeutende Siedlung. Ganz in der Nähe errichteten die Minoer übrigens einen weiteren Palast, dieser ist bei Agia Triada zu besichtigen. Die Archäologen vermuten, dass dort die Könige von Festos die Sommerzeit verbrachten. Chania Die Stadt im Westen Kretas gilt als Highlight, sie wirkt authentischer als Rethimnon. Bei einem Bummel durch die Markthalle, nach französischem Vorbild gebaut, erhält man einen guten Eindruck vom kretischen Temperament. Lautstarkes Feilschen und handfestes Prüfen der Ware gehören einfach dazu. Schmale Sträßchen führen in die Altstadt, deren Häuser eine Mischung aus venezianischem und orientalischem Stil prägt. Großartig ist das Ambiente des Hafens. Im Halbrund der vielen kleinen Häuser blättern die Fassaden, umso lebhafter geht es in den Tavernen und Hotels zu, die sie beherbergen. Nahe am Kai steht eine ehemalige Moschee, unter deren Kuppel Ausstellungen organisiert werden. In den benachbarten venezianischen Arsenalen arbeiten nun kretische Handwerker. Bei Chania liegen die Bucht von Souda mit dem großen Fährhafen sowie ein Flughafen. Westlich der Stadt finden sich eine Reihe kleiner Strände, die an heißen Nachmittagen ein erfrischendes Bad versprechen. Kato Zakros Das ist Kretas ferner Osten: eine karge Felsenlandschaft, herb und seltsam ansprechend. Wo sich die Küste zeigt, schimmert die Ägäis in tiefem Blau. Das Kloster Moni Toplou, ein Palast, ein Palmenstrand. Die Einsamkeit macht die Küste spektakulär - außerhalb der Saison, wohl bemerkt, denn im Juli und August ist vor allem der Palmenstrand von Vai ein überlaufenes Ausflugsziel. Der Palast von Kato Zakros macht nicht nur den Archäologen Freude, die die Schätze des ungeplünderten Palastes freilegen. Die Besucher schätzen aber auch die fantastische Bucht mit den Tavernen am Strand. Wasser gibt es bei Kato Zakros reichlich, davon zeugen Quellen und Brunnen des Palastes. Mit etwas Vorstellungsvermögen lässt sich die einstige Anordnung von Sälen und Höfen erahnen, ein paar Zypressen setzen malerische Akzente. Das Ambiente von Stille und Abgeschiedenheit täuscht über die Bedeutung des Palastes von Kato Zakros hinweg, schließlich reichten seine Handelsbeziehungen vor rund 3500 Jahren bis nach Ägypten! Agios Nikolaos Auf einer Halbinsel im Golf von Mirabello präsentiert sich der beliebte Badeort Agios Nikolaos. Die zahlreichen und gut ausgestatteten Strände der Umgebung sind leicht zu erreichen. Agios Nikolaos ist ein guter Ausgangspunkt, um Bergdörfer, minoische Paläste und die Insel Spinalonga mit der ehemaligen Leprastation zu erkunden. Wenn die Sonne untergeht, beginnt in Agios Nikolaos die Zeit des Flanierens. Von der Uferpromenade blickt man weit über das Meer; am kleinen Voulismeni-See mitten im Städtchen herrscht Hochbetrieb in den Cafés. Ein schmaler Kanal verbindet den Süßwassersee mit dem Hafen gegenüber. Von Agios Nikolaos aus ist es nicht weit bis zum Bergdorf Kritsa, dessen weiße Häuser an einem Felsen kleben. Die Idylle ist alles andere als unberührt, von jedem Ort auf der Insel werden Bustouren nach Kritsa organisiert - nicht zuletzt wegen der byzantinischen Kirche Panagia Kera, die mit farbenfrohen Fresken ausgemalt ist. Ein Ausflug zum minoischen Palast von Malia gibt interessante Aufschlüsse über Kretas minoische Glanzzeit. Lassithi Längst sind es keine 10 000 mehr, aber noch genug für einen außergewöhnlichen Anblick: die berühmten Windräder von Lassithi. Ihre weißen Segel kreisen in der Sommerbrise. Die Windräder befördern das Grundwasser auf die Felder, damit Kartoffeln, Birnen und Äpfel gedeihen. Im Frühling bezaubert die Baumblüte. In den Dörfern am Fuß der Berge leben hauptsächlich Bauern. Kreta gibt sich in der Lassithi-Ebene ganz ländlich. Dennoch kommen in der Saison zahlreiche Busse über den Pass, von dem aus man den herrlichen Rundblick über das Plateau genießt. Viele Kreta-Reisende wollen sich den Besuch der Höhle des Zeus (Dikteon Andron) bei Psichro nicht entgehen lassen. Wer in die feuchte Kühle der Tropfsteinhöhle hinabsteigt, lernt eine uralte Kultstätte kennen. Die Minoer übten hier bereits ihren geheimnisvollen Kult aus. Die griechische Mythologie erzählt von Zeus, der in der Höhle unbemerkt geboren werden musste. Sein Vater Kronos hatte nämlich gedroht, das Baby Zeus, den künftigen Konkurrenten, zu verschlingen. Samaria Farangi In die Weißen Berge Kretas hat ein Fluss eine 18 km lange Schlucht gegraben: Samaria. In ihren Seitenarmen lebt die kretische Bergziege Kri-kri, an ihren Wänden wachsen Pflanzen, die es sonst nirgendwo gibt. Die Schlucht endet an der Südküste bei Agia Roumeli. Dorthin führt keine Straße, es geht nur noch mit dem Schiff oder per pedes weiter. In der Hauptsaison wandern jeden Tag Tausende durch eine der längsten Schluchten Europas. Die Samaria-Schlucht zu durchwandern ist selbst als organisierte Tour eine Herausforderung. Die Busse fahren in aller Frühe vom Ausgangsort ab, bringen die Wanderer zur Omalos-Ebene und nach der Wanderung von 4 –5 Stunden Dauer geht es am Nachmittag von Agia Roumeli mit dem Schiff zurück. Der Abstieg zur Schlucht beginnt mit einem steilen Pfad, Zypressen duften nach Harz. Am Grund erschweren Geröll und Steinblöcke den Weg durch das Flussbett. Aber der Blick auf senkrecht aufragende Steilwände ist atemberaubend. An der engsten Stelle kommen sie bis auf drei Meter Abstand zusammen. Arkadi Der Name dieses Klosters steht für den unbändigen Freiheitswillen der Kreter. Er ist Symbol der kretischen Geschichte. Das Nationalheiligtum auf der unberührten Hochebene wird von vielen Kretern und Touristen besucht und bewahrt sich dennoch eine Atmosphäre, als schwebe es zwischen den Zeiten. 1866 kämpften die Kreter wieder einmal gegen die Türken um ihre Unabhängigkeit. In das Kloster Arkadi hatten sich Kämpfer, Frauen und Kinder zurückgezogen. Noch bevor die übermächtig herannahenden Feinde das Kloster einnehmen konnten, wurden im Pulvermagazin fast 1000 Menschen in die Luft gesprengt. Frei oder tot – ein Motto ohne Kompromisse. Eine solch blutrünstige Historie vermutet gar nicht, wer die im Stil der Renaissance und des Barock dekorierte Fassade von Arkadi bewundert - bis er im Beinhaus die stolz ausgestellten Totenschädel sieht. Auch das Pulvermagazin, wo sich die Tragödie abgespielt hat, ist zu besichtigen. Die Decke, welche die Explosion weggesprengt hat, fehlt bis heute. |
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