 | |
Pyramiden und Pharaonen: Die alte Hochkultur wurde zu einem Synonym für Ägypten. Ihre Macht gründete sich auf die Fruchtbarkeit des Nilschlamms auf den Feldern der Fellachen - von Oberägypten bis Alexandria. Heute leben rund 70 Mio. Menschen in der Niloase, v. a. von Landwirtschaft und Tourismus.
Ägyptens Hauptstadt ist das politische und wirtschaftliche Zentrum des Landes, die Stadt der Universitäten und Ministerien, des Handels und faszinierender Märkte, des bedeutendsten Museums altägyptischer Kunst. Muslime und koptische Christen leben in Kairo in jahrhundertealter Nachbarschaft. Die Pyramiden von Gisa, die Tempelanlagen von Luxor und Theben West sowie pharaonische Grabanlagen gehören zu den kulturellen Glanzlichtern des Landes. Zugleich locken Oasen und Dünenlandschaften in der Wüste westlich des Nil zu abenteuerlichen Expeditionen. Auf dem Sinai und am Roten Meer versprechen bizarre Gebirge, bunte Canyons und die Unterwasserwelt mit Korallen und schillernden Fischschwärmen einmalige Erlebnisse. Kairo (Al-Qahira) Die Hauptstadt Ägyptens ist eine Herausforderung an jeden Besucher. Jahrtausende im Wechsel der Kulturen und Religionen sind hier eingebettet in eine chaotisch wachsende, lebendige Metropole! Im Herzen der Stadt ist das Ägyptische Museum am Midan et-Tahrir der Ausgangspunkt für eine Reise in die pharaonische Vergangenheit. Die Metro führt nach Süden zur Station Mari Girgis, dem Viertel der christlich-koptischen Gemeinde. Das Koptische Museum und die uralten Kirchen erwecken das frühe Christentum zum Leben. Der Islam prägt seit 641 das Gesicht der Stadt. Mächtig erhebt sich das Wahrzeichen des modernen Kairo auf der unter Salah ed-Din 1171 begründeten Zitadelle: die Alabastermoschee. Sie beherrscht die von Palästen, Moscheen und Mausoleen geprägte Altstadt. In ihren Gassen wird in unzähligen Läden und Werkstätten eifrig gehämmert, genäht, gestickt und gehandelt. Weihrauchschwaden kitzeln die Nase, während köstlich duftender Mokka die Besucher des Khan el-Khalili zum Verweilen lockt. Pyramiden von Gisa (Pyramids of Gisa) Ehrfurcht und Staunen ergreift die Menschen am Fuß dieser Weltwunder. Majestätisch erheben sie sich über das ihre ewige Ruhe bedrohende Häusermeer von Kairo. In der vollendeten Form der gleichseitigen Pyramide wurden diese Gräber Gott gleichen Herrschern errichtet. Mit einer Höhe von 146,6 m und einer Masse von 2,34 Mio. m3 stellt die Cheops-Pyramide alle in den Schatten. Im Sonnenbootmuseum wartet die rekonstruierte Yacht aus Zedernholz darauf, dass Cheops seine Reise durch die Unterwelt in ihr antritt. Am Ostrand des Pyramidenplateaus liegt lang ausgestreckt der Löwenleib des mächtigen Sphinx: König und Gott gleichermaßen ist dieser rätselhafte Wächter der ewigen Stätte. Wenn am Nachmittag die Sonne sinkt, zeigen sich die Gräber der Pharaonen Cheops, Chephren und Mykerinos vom Panorama-Punkt im Westen von ihrer schönsten Seite! Karnak-Tempel (Temples of Karnak) Dem großen Reichsgott Amun geweiht war das größte Heiligtum am Nil. Fürsten aus Theben hatten um 2000 v.Chr. mit dem Bau des Tempels begonnen, und alle folgenden Pharaonen vergrößerten das Gotteshaus. Zwei Hauptachsen kreuzen sich in der Mitte des Heiligtums. Sie bestehen aus einer Abfolge von Höfen, Säulenhallen und Pylonen. Besonders der große Säulensaal mit seinen 134 bis zu 24 m hohen Papyrusbündelsäulen beeindruckt. Nicht nur Amun, sondern auch seiner Gemahlin Mut und dem Mondgott Chons war der Tempel geweiht. Tausende von Statuen waren einst hier aufgestellt, Obelisken ragten vor den Pylonen in die Höhe. Jenseits des heiligen Sees lagen Wirtschaftsräume, Priesterunterkünfte und Stallungen für die heiligen Gänse des Amun. Jahrhunderte der Bautätigkeit werden heute von Archäologen weitergeführt: Aus den Trümmern der Zeit wächst das alte Heiligtum zu neuer Vollkommenheit. Theben-West (Western Thebes) In Theben-West erstreckt sich der gewaltige Friedhof der einstigen Hauptstadt Ägyptens. Während des Neuen Reichs (1540-1075 v. Chr.) legte Ägyptens Oberschicht prachtvolle Gräber an. An der Grenze zum Fruchtland entstanden eindrucksvolle Totentempel, um die Versorgung der verstorbenen Pharaonen im Jenseits zu sichern. Das Tal der Könige mit den Gräbern der bedeutendsten Herrscher lockt mit seinen geheimnisvollen Bildern vom Jenseits und der göttlichen Ewigkeit. Hier entdeckte Howard Carter 1923 den Grabschatz des Tutanchamun. Beim Dörfchen Scheich Abd el-Qurnah und bei der antiken Handwerkersiedlung Deir el-Medina schildern die Gräberbilder in leuchtenden Farben die Lebenswelt der Menschen und ihre Glaubensvorstellungen. Weltberühmt ist das vollkommen mit Wandmalereien ausgestaltete Grab von Nefertari im Tal der Königinnen, das nach aufwändigen Restaurierungen z.Zt. wieder geschlossen ist. Abu Simbel Ramses II. war der größte Bauherr Ägyptens. Seine Felstempel von Abu Simbel belegen dies eindrucksvoll. Außerhalb des ägyptischen Kernlands ließ er hier in Nubien mächtige Zeugen der Größe Ägyptens erbauen: 20 m hoch ragen die vier Kolossalfiguren des vergöttlichten Herrschers vor dem Ramses-Tempel auf. Im Inneren zeigen Reliefs der Kadeschschlacht gegen die Hethiter die militärische Macht Ägyptens. Im Allerheiligsten des Tempels thront der Pharao neben den mächtigsten Göttern des Landes, Amun, Re und Ptah. Der kleinere Tempel von Abu Simbel ist der Liebesgöttin Hathor in Gestalt von Ramses' Gemahlin Nefertrari geweiht. Selbstbewusst tritt die Königin im Inneren vor die Götter und begleitet ihren Gatten bei den Opferhandlungen. Eine Meisterleistung war die Umsetzung der Tempel: Durch den Bau des Hochdamms von Assuan drohten sie im Nassersee zu versinken. In einer spektakulären Aktion wurden die Heiligtümer 1965-1968 blockweise aus dem Sandstein geschnitten und 64 m höher wieder aufgebaut. Tempel von Edfu (Temple of Edfu) In Gestalt eines Falken wacht der große Gott Horus über das Wohlergehen Ägyptens. Dem heldenhaften Kämpfer für Gerechtigkeit sowie Schutzgott der Pharaonen ist einer der schönsten und am besten erhaltenen Tempel Ägyptens geweiht. An Stelle eines Vorgängerbaus ließen die Ptolemäer dem Himmlischen ein großes neues Heiligtum errichten. Hinter den 36 m hohen mächtigen Eingangstürmen öffnet sich ein weiter Hof. An seiner Rückseite steht die Granitstatue eines gekrönten Falken, das Bild des Horus. Interessant sind die Reliefs der Säulenhallen: Sie zeigen den Bau des Tempels vom ersten Hackenschlag über die Grundsteinlegung bis zur feierlichen Übergabe an den göttlichen Hausherrn. Texte und Bilder im äußeren Umgang vermitteln ein Bild von den großen Festritualen: Regelmäßig wurde hier der Kampf zwischen Gut und Böse - verkörpert durch Horus und Seth - nachgespielt. Selbstverständlich endete er mit einem triumphalen Sieg des Guten! Katharinenkloster (Monastery of Saint Catherine) Umgeben von hohen Granitbergen verbirgt sich das Katharinenkloster im Süden des Sinai. Mächtige Wehrmauern umziehen das Kloster, dessen griechisch-orthodoxe Mönche sich immer wieder gegen Überfälle der Beduinen wehren mussten. Auf der Suche nach der Route des Exodus glaubte man schon früh, hier am Fuß des Mosesbergs (Gebel Musa) einen wichtigen Schauplatz biblischer Geschichte entdeckt zu haben. Auf dem 2285 m hohen Berg soll Moses die Zehn Gebote erhalten haben, hier zeigte sich ihm Gott in Gestalt des brennenden Dornbuschs. Schon 324 ließ Kaiserin Helena eine Kapelle für den heiligen Strauch errichten, im 6. Jh. entstand auf Weisung von Kaiser Justinian eine eindrucksvolle Basilika. Ihre prächtigen Goldmosaiken zieren noch immer die Apsis. Eine große Sammlung von Ikonen, deren älteste aus dem 4. Jh. stammen, und Schriftrollen mehren die Bedeutung von Kirche und Kloster. Luxor-Tempel (Temple of Luxor) Als "kleiner" Tempel des Amun wurde er südlich des Hauptheiligtums von Karnak parallel zum Nil erbaut. Er galt als "südlicher Harem des Amun" bzw. als Mamisi - Geburtshaus -, in dem die Geburt des göttlichen Kindes gefeiert wurde. Vor dem Eingang zum Tempel, auf den eine 3 km lange Allee von Widdersphingen zuführte, thronen riesige Sitzfiguren Ramses' II., ein Obelisk überragt den Pylon. Im zweiten Hof fand man bei Renovierungsarbeiten ein Versteck von Statuen, die zu den schönsten Stücken Altägyptens gehören. In einer gewaltigen Prozession zogen einst Priester, der gesamte Hofstaat, Militärs, Tänzer und Musiker einmal im Jahr unter dem Jubel der Bevölkerung mit den Götterbildern von Karnak zum Tempel von Luxor. Dieser Festzug ist in lebendigen Bildern an den Wänden der langen Halle geschildert, die von mächtigen Papyrusbündelsäulen überragt wird. Bei abendlicher Beleuchtung erwachen sie zu neuem Leben. Abydos Osiris, der Herrscher des Jenseits und allmächtige Totenrichter, wurde in Abydos verehrt. Einem Göttermythos zufolge soll hier sein Kopf gefunden worden sein, nachdem sein Bruder Seth Osiris auf grausame Weise ermordet und zerstückelt hatte. Seine Wiedergeburt und sein Sieg über den Brudermörder symbolisierten Hoffnung auf ewiges Leben und ausgleichende Gerechtigkeit im Jenseits. Bestes Beispiel für die Bedeutung des Osiriskultes ist der unter Sethos I. begonnene Totentempel. Überaus elegante Reliefs, teils noch mit intensiv leuchtender Bemalung, zeigen den Pharao einerseits beim Opfer vor den wichtigsten Göttern des Landes, andererseits seine Vereinigung mit Osiris. Ungewöhnlich ist der Tempelgrundriss: Sieben Kapellen an der Rückseite beherbergen nebeneinander den Kult von Horus, Isis, Osiris, Amun, Re, Ptah und dem vergöttlichten Sethos. Hinter dem Tempel symbolisiert ein Anbau den mythischen Urhügel, auf dem das Leben einst entstanden war. Assuan Die nubische Stadt - so lautet der Beiname der südlichsten Stadt Ägyptens. Auf Elephantine, einer großen Granitinsel inmitten des Nils, lag ihre Keimzelle. Bereits in der Frühzeit verehrte man hier die Göttin Satet als Bringerin des Nilwassers. In den gurgelnden Strudeln des Kataraktgebiets sahen die alten Ägypter die Quellen des Nil. Den schönsten Blick genießt man bei einer Segelpartie rund um die Inseln. Als Fürsten der Grenzstadt hatten die Gouverneure von Elephantine wichtige militärische Aufgaben, kontrollierten aber auch die Handelswege nach Innerafrika. Noch heute zeigt der Basar von Assuan sein unverwechselbar von den Nubiern geprägtes Gesicht. Die moderne Geschichte Assuans ist beeinflusst vom Bau des gewaltigen Hochdamms, in dessen Folge auch der Tempel der großen Göttin Isis auf eine höher gelegene Nachbarinsel umgesetzt wurde. Neuestes Prachtstück Assuans ist das Nubische Museum, das von der Frühzeit bis in die jüngste Vergangenheit die Geschichte der Nubier dokumentiert. |
|