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Ein Flecken Erde von spröder, asketischer Schönheit: Wer Fuerteventuras kilometerlange helle Strände und das Inselinnere erkundet, geprägt von Vulkanismus, Trockenheit und Wind, wird neben sportlichem Beachlife auch charmante Orte aus schwarzem Lavagestein erleben. Ob Windsurfen, Wellenreiten, Schnorcheln oder Tauchen: Alle Arten von Wassersport sind hier möglich. Der Nordostpassat sorgt im Sommer zuverlässig für gute Surfbedingungen an den Playas de Corralejo und der Halbinsel Jandía, in den stürmischeren Wintermonaten kommen insbesondere die Profis an den Playas de Sotavento auf ihre Kosten. Schiffswracks und die Meerenge El Río zwischen Fuerteventura und Los Lobos sind besonders attraktive Tauchziele. Ihr vulkanischer Ursprung verleiht Fuerteventura einen herben Reiz. Wer ins steinige Innere der zweitgrößten Insel des kanarischen Archipels vordringt, wird nicht nur seltene Pflanzen- und Vogelarten antreffen, sondern bezaubernde Orte mit sakraler sowie profaner Architektur aus dem 17. und 18. Jh. entdecken können. Betancuria ist ein Beispiel, La Oliva ein weiteres. Das Problem der bäuerlichen Abwanderung führt in Tefía ein Museumsdorf vor Augen. Corralejo Einsame Sandstrände sind Ihnen auf Dauer zu langweilig? Dann ist Corralejo die richtige Wahl, weil sich hier ein vorwiegend junges, internationales Publikum trifft – angezogen von einem breiten Programm an sportlichen Aktivitäten, das auch Drachensurfen und Hochseeangeln umfasst. Surfer schätzen die hohen Windgeschwindigkeiten und Taucher die Unterwasserwelt der Meeresenge El Río, in die man übrigens auch vom Glasbodenboot aus Einblick nehmen kann. Und abends locken in den Appartementanlagen des ehemaligen Fischerdorfs natürlich etliche Bars, Restaurants und Diskos. Und wenn man zwischendurch doch seine Ruhe haben will? Dann besucht man den herrlichen, 7 km langen Sandstrand Playas de Corralejo oder das direkt daran angrenzende Dünengebiet El Jable, das nicht von ungefähr unter Naturschutz steht. Hier haben seltene Vögel wie das Sandflughuhn oder die Kragentrappe ihr Revier. Die Dünen selbst bewegen sich übrigens mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 4 m pro Jahr vorwärts. Betancuria Der Normanne Jean de Béthencourt war es, der 1405 den Ort in einem fruchtbaren Tal gründete und ihm seinen Namen gab. Bis 1834 fungierte Betancuria als Hauptstadt Fuerteventuras, was ihr nicht nur eine Reihe kunsthistorisch wertvoller Gebäude bescherte, sondern auch das Interesse algerischer Piraten. 1593 kam es zur teilweisen Zerstörung. Heute zählt die Stadt, die im 15. Jh. sogar zeitweilig Bischofssitz war, nur noch ca. 200 Einwohner, ist aber mehr denn je ein touristischer Anziehungspunkt. Der gesamte Ortskern mit seinen vielen alten Steinhäusern aus dem 17. Jh., überragt von der Iglesia de Santa María, steht unter Denkmalschutz. Die dreischiffige Pfarrkirche kann in ihrem Inneren mit einer Kiefernholzdecke im maurischen Stil sowie mit einem barocken Schnitzaltar aufwarten. Auch das Museo de Betancuria sollte man besuchen, weil hier eindrucksvoll die Geschichte der Insel dokumentiert ist.In der Casa Santa María, einem renovierten Patrizierhaus, lassen sich Kunsthandwerker beim Sticken und Weben über die Schulter schauen. Tiscamanita Kartoffeln, Mais und vor allem Tomaten, unter Gazezelten vor Wind und Wetter geschützt: Während große Teile der Insel unter chronischem Wassermangel leiden, lassen fruchtbare Lehmböden und eine spezielle Form des Trockenfeldbaus in Tiscamanita sogar den Anbau von Aloe für Kosmetika zu. In die Fabrik darf man einen Blick werfen und kann die Produkte auch gleich vor Ort kaufen. Wo andernorts versiegte Schöpfradbrunnen stehen und Mühlen verfallen, läuft in Tiscamanita eine alte Getreidemühle sogar noch auf vollen Touren. Alles über die Konstruktion von Mühlen erfährt man im Centro de Interpretación Los Molinos. Hier kann man auch bei der Herstellung von Gofio zusehen (das Mehl aus geröstetem Korn wird gern als Beilage verwendet) oder frischen Ziegenkäse erwerben. Auch der Ort selbst hat einen gewissen Charme. Weit interessanter ist aber das nahe gelegene Lavafeld Malpaís Grande mit seinen 10 000 Jahre alten eigenartigen Gesteinsformationen. Playas de Sotavento An der Ostseite der Halbinsel Jandía erstreckt sich auf einer Länge von 16 km einer der schönsten Küstenstriche von Fuerteventura überhaupt. Er beginnt auf der Höhe des Ferienortes Costa Calma und geht ungefähr bei Esquinzo nahtlos in die Playa de Butihondo über. Hier lässt sich ausgiebig surfen, segeln, schnorcheln oder einfach nur auf langen Wanderungen die Natur genießen. Speziell die Playa Barca hinter Costa Calma ist ein Tummelplatz für Surfer, denn eine schmale Landzunge begleitet hier auf vier Kilometern die Küste und sorgt bei Flut dafür, dass in ihrer Lagune auch Anfänger gefahrlos ihr Brett besteigen können. Der Ort selbst wurde mit Palmen, Kiefern, Kakteen und Hibiskussträuchern aufwändig begrünt. Hier findet man zahlreiche Restaurants, Geschäfte und Unterhaltungsmöglichkeiten. Ein Stück weiter Richtung Süden lässt sich bei Risco del Paso schließlich noch eine Naturattraktion bestaunen: zwei riesige Wanderdünen, von denen aus man eine fantastische Aussicht hat. Cofete Eine Hand voll geduckter Steinhäuser, die sich um das einzige Lokal des Ortes gruppieren: Das verschlafene Cofete im Südwesten der Halbinsel Jandía selbst wäre kein Grund, von Morro del Jable aus rund 37 km durch vegetationsloses Bergland zurückzulegen. Hat man aber erst einmal den 223 m hohen Pass Degollada de Agua Oveja erreicht, eröffnet sich ein herrlicher Panoramablick auf einen 10 km langen Küstenstreifen, der die Gegend für einen Tagesausflug unbedingt lohnend macht. Die beiden Sandstrände Playa de Cofete und Playa de Barlovento sind romantisch und trotzdem fast menschenleer, da sie sich wegen der starken Brandung nicht zum Baden eignen. Für einsame Wanderungen sind die Strände dagegen wie geschaffen. Kaum zu glauben, dass hier in den 1940er-Jahren ein deutscher U-Boot-Stützpunkt im Entstehen gewesen sein soll. Die zinnenbewehrte, festungsähnliche Villa Winter des deutschen Ingenieurs Gustav Winter ist jedenfalls ein Überbleibsel dieser Zeit und nach wie vor ein Touristenmagnet. Los Lobos Einst war die nur 6 km2 große Isla de Lobos, die heute vollständig unter Naturschutz steht, ein berüchtigter Piratenunterschlupf. Ihren Namen „Insel der Seehunde" verdankt sie Mönchsrobben, die allerdings ihres Fells wegen im 19. Jh. ausgerottet wurden. Heute ist die Insel, die man von Corralejo in 20 Minuten mit dem Boot erreicht, ein beliebtes Ziel von Naturfreunden; außerdem wissen Taucher und Surfer sie sehr zu schätzen. Geprägt wird der unbewohnte Naturpark vor allem von seinen Lagunen und winzigen Vulkankegeln, den so genannten „hornitos". Neben rund 140 Pflanzenarten beherbergt er auch einige seltene Vogelarten sowie eine reiche Unterwasserflora und -fauna. Eine Rundwanderung sollte der Aussicht wegen unbedingt zum Leuchtturm Faro de Lobos führen. Wer schwindelfrei ist, kann aber auch den steilen Gipfel Montaña de Lobos erklimmen und von 127 m Höhe aus bis zu den Feuerbergen von Lanzarote schauen. Gefahrlos baden und surfen lässt sich dagegen an der ruhigen Playa de la Calera. Tefía Am Fuß der Montaña Martínez liegt die Streusiedlung Tefía, eingebettet in eine karge Landschaft. Einst bestimmte die Landwirtschaft das dörfliche Leben, woran noch die vielen hübschen, oft sorgfältig restaurierten Windmühlen der Gegend erinnern. Seit allerdings innerhalb weniger Jahrzehnte 70% der Bevölkerung abwanderten, stehen viele Bauernhäuser leer. Dennoch lohnt sich ein Besuch in Tefía durchaus. Zunächst seiner kleinen Barockkirche Ermita de San Agustín wegen, die mit einer Kuppel im Mudéjarstil überrascht. Auf die Spuren der kanarischen Kultur führt der benachbarte Sportplatz, auf dem noch heute die traditionellen Ringkämpfe (lucha canaria) stattfinden. Ein ganzer Ortsteil wurde in ein Museumsdorf – La Alcogida – umgewandelt, um die bäuerliche Architektur zu bewahren. Etwas außerhalb liegt der große Stausee Los Molinos. Seine unterirdische Salzwasserquelle sorgt für eine besondere Vegetation an den Ufern; Tausende von Singvögeln nisten in dem dichten Tamariskengebüsch. La Oliva Nomen est Omen: Hier wurden wirklich einmal Oliven angebaut. Doch diese Zeiten sind ebenso vorbei wie die des Militärregiments, das zwischen 1708 und 1859 von hier aus die Insel regierte. Heute spielt der Ort am Fuße des gleichnamigen Vulkans zwar keine bedeutende Rolle mehr in der Politik, dafür ist er ein Muss für Liebhaber von Kunst und Architektur. Das erste ins Auge fallende Gebäude ist die wuchtige Kirche Nuestra Señora de Candelaria mit ihrem imposanten Glockenturm aus dunklem Stein. Innen sind vor allem ihr Rokokoaltar und fünf Gemälde aus derselben Epoche sehenswert. Der Kunst der Moderne widmet sich dagegen das Centro de Arte Canario (in der Casa Mané) mit Gemälden sowie Skulpturen in einem schönen Garten. Ein letzter Höhepunkt ist die Casa de los Coroneles. Dass in dem riesigen zweigeschossigen Bau einmal die Herren der Insel residierten, lässt sich leicht vorstellen. Acht mit herrlichen Schnitzereien verzierte Balkone und viele Fenster lockern die strenge Festungsfassade etwas auf. |
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