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Massiv ragen zerklüftete Steilküsten aus der rauen Brandung. In sattem Grün und in bunten Farben exotischer Blüten erstreckt sich die Landschaft und formt in der Inselmitte ein bizarres Gebirge. Madeira, das Naturparadies mitten im Atlantik, spricht vor allem die Naturliebhaber an. Madeira ist die Hauptinsel des gleichnamigen Archipels. Zusammen mit den Ilhas Desertas im Süden und Porto Santo im Nordosten bildet sie die Gipfel eines submarinen vulkanischen Gebirges. Die Lavaformationen Madeiras geben heute der erst im 15 Jh. aus Portugal eingewanderten Bevölkerung festen Grund. Entlang der historischen Wasserleitungen (levadas) kann man schöne Wanderungen unternehmen, und die aus Lavagestein gebildeten Meerwasserbecken laden zu einer Erfrischung ein. Süßer Wein, frühlingshaftes Klima, exotische Blumen und Früchte machen Madeira bei seinen Gästen so beliebt. Von den 741 qkm Fläche steht ein Großteil unter Naturschutz. Üppige Flora mit einheimischen und zugereisten Pflanzenarten, terrassierte Felder, urige Dörfer - Madeira ist die Insel für Natur- und Wanderfreunde. Funchal Funchal ist die Hauptstadt Madeiras und zugleich Lieblingsort der Touristen auf der Insel. Wo einst Inselentdecker Zarco residierte, legen heute Kreuzfahrtschiffe an, und von den knapp 30000 Hotelbetten auf Madeira findet sich die Mehrzahl in Funchal. Die 125000-Einwohner-Stadt begeistert mit ihrer ursprünglich gebliebenen Schönheit. Bis in die umliegenden Hügel erstrecken sich ihre weißen Gebäude, aufgelockert von schwarz-weiß gepflasterten Straßen und Parks mit üppigem Grün. Funchal wurde durch Zuckerhandel schnell reich. Kunstschätze aus dem 15. Jh. zeugen im Museu de Arte Sacra von der frühen Blütezeit. Weitere Museen führen u. a. in die Lebensart der wohlhabenden Madeirenser oder in die Kunst der Weinherstellung ein. Höhepunkte des Stadtrundgangs bilden die manuelinische Kathedrale von 1517 und die Quinta das Cruzes, ein wohl schon von Zarco gegründetes Anwesen, in dem sich heute ein kleiner archäologischer Park und eine Orchideenabteilung befinden. Das Reid's Palace Hotel, eine traditionelle Luxusherberge, lädt auch Nichtgäste zum 5-Uhr-Tee. Dazu locken eine schöne Uferpromenade und ein Casino - Funchal ist ein Ort für Flaneure und stille Genießer. Machico Man muss nicht immer Hauptstadt sein. Heute sehen die Bewohner Machicos den Verlust ihrer historischen Bedeutung gelassen. Bis 1497 war die charmante Kleinstadt Regierungssitz für den Ostteil Madeiras. Dann wurde die Inselregierung zusammengefasst und Glanz und Glamour der Kapitale konzentrierten sich weiter westlich in Funchal. Machico blieb dagegen liebenswert provinziell. Heute belebt der Tourismus die vom Machico-Fluss geteilte und mit alten Forts umstellte Stadt. In der Bucht von Machico setzte Inselentdecker Zarco erstmals seinen Fuß an Land. Sein Kompagnon Vaz Teixeira übernahm bald danach die Macht in der Stadt. Seine Gebeine ruhen in der Familiengruft der Nossa Senhora da Conceição. Die Kirche aus dem 15. Jh. verbindet Manuelismus und Barock. Zusammen mit dem Rathaus bildet sie das Ortszentrum. Im Fischerviertel gibt es die Kapelle des Wundertätigen Christus zu bestaunen und bei der mit kunstvollen Azulejos geschmückten Capela São Roque einen angeblich wunderheilenden Brunnen. Monte Der Villen-Ort Monte liegt auf 600 m Höhe direkt über Funchal. Hier fährt mit der Seilbahn rauf, wer dann bergab will: In Monte starten die legendären Korbschlitten von Madeira, die schon seit über 150 Jahren für eine zügige und höchst originelle Beförderung ins Tal sorgen. Seit 1850 werden Touristen im carro do cesto (Korbschlitten) über die steilen Pflasterwege zwischen Monte und Funchal geleitet. Heute sorgen je zwei in weiße Tracht gewandete Männer mit ihren typischen Strohhüten für eine störungsfreie, wenn auch kurze Talfahrt. Während Touristen das ganze Jahr über nach Monte pilgern, warten Einheimische auf Mariä Himmelfahrt. Dann geht hier rauf, wer treppauf will. Auf Knien rutschen manche Pilger die Stufen zur Kirche Nossa Senhora do Monte hinauf. Sie wurde im 19. Jh. zu Ehren einer legendenumrankten Madonnenfigur errichtet. Seit 1803 gilt die Senhora do Monte nämlich als Schutzheilige Madeiras. Der Stadtpark, der Tropische Garten Monte Palace und der Largo da Fonte, ein Platz mit tempelartig umbauter Quelle, sind weitere Highlights in Monte. Curral das Freiras Wild und romantisch stürzen im zentralen Gebirge Madeiras steile Felswände in das tiefste Tal der Insel. Wolkenfetzen umspielen das ganze Jahr die bis knapp 2000 m hohen Berggipfel. In Jahrtausenden haben Flüsse diesen beeindruckenden Talkessel ins Gebirge gewaschen. Mitten in der rauen Kulisse ruht das Dorf Curral das Freiras. Der "Stall der Nonnen" war 1566, bei einem brutalen Piratenangriff auf Funchal, Refugium für die Nonnen des Santa-Clara-Klosters. Hier besaßen sie Weideflächen und kein Korsar traute sich in dieses Gebiet. Die Nonnen haben weder Kloster noch Kapelle im Ort hinterlassen. Das beschauliche Curral das Freiras lockt aber allein mit seiner spektakulären Gebirgslage und mit einer besonderen Frucht: der Kastanie. Hier wird sie in Kuchen, Suppe und Likör verarbeitet. Beim alljährlich am 1. November stattfindenden Kastanienfest kommen all diese Spezialitäten auf den Tisch. Einen faszinierenden Blick auf das Tal bietet der Aussichtspunkt Eira do Serrado (1100 m). Von hier oder von Corticeiras gelangt man zu Fuß in 1 bzw. 4 Std. ins Dorf. Ponta de São Lourenço Ponta de São Lourenço heißt die Halbinsel, die sich im Osten Madeiras schmal und felsig in den Atlantik erstreckt. Ihr vorgelagert sind zwei kleine Inseln: Ilhéu de Augustinho und Ilhéu do Farol, an deren Küste der älteste Leuchtturm Madeiras von der Hauptinsel aus noch zu erkennen ist. Die Ponta ist Naturschutzgebiet. Je weiter man auf der sich verjüngenden Landzunge Richtung Osten fährt, desto unmittelbarer spürt man die Urkräfte des Ozeans. An der Südflanke kann man am kleinen Strand Prainha Rast machen. Vom Aussichtspunkt Ponta do Rosto oder vom Parkplatz an der Baía de Abra eröffnet sich ein weiter Blick über die bizarre Küstenregion. Vereinsamt ragen wild geformte Felsen aus dem türkisblauen Meer. Jahrtausende beharrlicher Brandung haben sie vom Festland getrennt. Davor ruht kolossal das Band steiler Klippen. Vom Parkplatz aus kann man in drei Stunden die Ponta erwandern - allerdings nur mit sicherem Tritt. Dieser Teil der Ponta ist Naturschutzgebiet. An der Ostspitze wartet bei einem restaurierten Bauernhaus eine "Oase" auf den Besucher. São Vicente Ein Dorf wie ein Mädchenlächeln - kein Ort auf Madeira ist so anmutig, schön und auf naive Weise liebenswert wie São Vicente. Mit unglaublicher Hingabe ist der alte Ortskern restauriert worden. Enge Gassen, hübsch hergerichtete Häuschen, freundliche, traditionell mit Holz ausgekleidete Läden, schnuckelige Restaurants und Cafés - diese Kulisse harmonischen Dorflebens musste einfach unter Denkmalschutz gestellt werden. Der Stolz des Dorfes ist die Igreja de São Vicente. Portugiesische, mit Gold verzierte Holzschnitzereien, Tafelbilder, Deckenbemalungen, zu Bildern zusammengefügte Azulejos - die zu Ehren des heiligen Vinzent im 17. Jh. errichtete Kirche protzt mit barockem Prunk. Intime Einblicke in Madeiras unterirdische Welt bieten die Grutas de São Vicente am Ortsrand. Auf 700 m Länge führen hier Tunnel durch ein System aus Lavagrotten. Palheiro Gardens Von schummriger Düsternis bis zum edlen, offenen Plateau, von wild wucherndem Farn bis zu zart-züchtiger Blüte - Palheiro Gardens sind eine perfekt inszenierte Gartenlandschaft. Quinta do Palheiro Ferreiro hieß ursprünglich der stattliche Besitz, der 1885 in die Hände der erfolgreichen Weinhändlerfamilie Blandy überging. Die Blandys folgten der Mode des 19. Jhs. und ließen ihren Herrensitz nordöstlich von Funchal in eine aufwändig bepflanzte Gartenanlage verwandeln, die lange als Blandy's Garden bekannt war. Der Pflanzenreichtum ließ der Fantasie der Gartenarchitekten freies Spiel. Lyrisch muten die Namen der einzelnen Abschnitte an. Im Jardim da Senhora ("Garten der Dame") wölben sich gestutzte Hecken zu runden Formen; Seerosen liegen prall in Becken. Im "Versunkenen Garten" versinken Plastiken in einem exotischen Blütenmeer. Im "Inferno" sorgen Azaleen und Baumfarne für feuchte und dunkle Atmosphäre. In dieser atemberaubend manipulierten Natur wird selbst eine aufragende Palme zum Ereignis. Santana Kartoffeln, Mais, Weizen, Korbweiden - umgeben vom fruchtbarsten Boden Madeiras erstreckt sich das 5000-Seelen-Städtchen Santana entlang eines Flüsschens über eine hoch gelegene Küstenebene zum Meer. Weiträumig entfaltet sich hier die Landschaft in groß angelegten Terrassen. In Santana findet man noch die traditionellen Casas do colmo (auch: Casas de palha), die Strohhütten, die für die Touristen farbenfroh angemalt wurden. Einst wohnten Mensch und Tier gemeinsam in diesen winzigen Häuschen, deren Strohdächer fast bis zum Boden reichen. Mehr als 100 Orginalhäuser blieben in Santana und im Nachbarort Sâo Jorge erhalten. Sie stehen heute unter Denkmalschutz. Jedes Jahr im Juli wird das traditionelle Ambiente mit Brauchtum belebt. Das Fest "48 Horas de Bailar" lockt dann Folkloregruppen aus ganz Madeira nach Santana. Ein Wochenende lang gibt es Tanz und Musik. Wanderer zieht es von Santana aus nach Queimadas. Von Rhododendren umrankt wartet hier der Einstieg zum Pico Ruivo. |
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