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Der nordafrikanische Staat zwischen Algerien und Libyen hat sich zu einem der beliebtesten Urlaubsziele für Europäer entwickelt. Doch hat Tunesien mehr zu bieten als erstklassige Hotels an herrlichen Sandstränden. In dem kleinen Land zwischen Mittelmeer und Wüste gibt es einiges zu entdecken. Das sonnenreiche Tunesien jenseits der Hotelanlagen beeindruckt durch eine landschaftliche Vielfalt, die man so schnell nicht wieder findet: grüne Wälder im Norden, in der Mitte schroffe Berge, Steppen und die Salzseen. Und im Süden lockt natürlich der Grand Erg Oriental, wie die Sahara hier genannt wird, Aktive und Abenteurer zu Ausflügen. Kulturell schöpft das Land aus einer 3000-jährigen Besiedlungsgeschichte. Am berühmtesten sind sicherlich die Ruinen des einstigen Karthago, doch auch aus der Römerzeit gibt es erstaunlich gut erhaltene Monumente. Arabische Kultur ist allgegenwärtig in den Medinas, den Altstädten mit ihren Moscheen und stimmungsvollen, belebten Souks. Tunis Ein Nebeneinander von orientalischer Lebensart und französischem Flair, engen Medinagassen und belebten Prachtboulevards, verschleierten Frauen und europäisch gekleideten Geschäftsleuten - keine andere tunesische Stadt bietet so viele Gegensätze wie die Hauptstadt, in der knapp ein Viertel aller Tunesier leben. Die Metropole des Landes ist für viele Touristen nur Durchgangsstation. Damit tut man der Stadt aber Unrecht: In Tunis lassen sich Strand- und Stadturlaub, Shopping und Besichtigungen ideal verbinden. Für Europäer ist die arabische Altstadt, die Medina, mit ihren zahlreichen Souks zweifellos Hauptattraktion. Den geistigen Mittelpunkt der Medina bildet die Ölbaummoschee (Zitouna). In einem Palast aus dem 18. Jh. wurde das Volkskundemuseum Dar ben Abdallah eingerichtet - hier bekommt man einen guten Eindruck von arabischer Wohnkultur. Nicht nur für Hobbyarchäologen interessant ist das Bardo-Museum mit seinem riesigen Schatz an feinsten Mosaiken, das etwa vier Kilometer vom Stadtzentrum entfernt liegt. Sousse Die Hafenstadt Sousse bietet eine bunte Mischung aus Handwerkstradition und Badetourismus. An der lebhaften Place Farhat-Hached treffen Hafen, Neustadt und Altstadt zusammen. Die alte, verwinkelte Medina wartet mit zwei bedeutenden Bauwerken auf: Die Große Moschee, 851 errichtet, erinnert mit ihren zinnengekrönten Mauern und zwei runden Wachtürmen an eine Wehranlage. Schräg gegenüber sieht man sich dem Ribat gegenüber, einer befestigten Klosterburg, in der muslimische Soldaten in klösterlicher Abgeschiedenheit lebten. Der dritte erhaltene Festungsbau ist die Kasbah, die heute das Archäologische Museum beherbergt. Die Altstadt von Sousse steht seit 1988 als Kulturerbe unter dem Schutz der Unesco. Die nach Tunis und Sfax drittgrößte Stadt des Landes liegt mitten in der Touristenregion am Golf von Hammamet. Zehn Kilometer nördlich von Sousse wurde mit dem Hafen- und Hotelkomplex von Port el-Kantaoui ein architektonisch vorbildliches Touristenzentrum geschaffen, in dem Urlauber alles finden, was das Herz begehrt. Kairouan Für Muslime ist Kairouan nach Mekka, Medina und Jerusalem die viertheiligste Stadt der islamischen Welt und mit ihren herrlichen Moscheen religiöser Mittelpunkt Tunesiens. Da auch die Teppichindustrie der Stadt weitreichende Bedeutung hat, zählt sie zu den wichtigsten touristischen Attraktionen des Landes. Kairouan besitzt eine lebhafte Medina und einige herausragende Beispiele islamischer Architektur. Zweifellos das beeindruckendste Monument ist die Große Moschee (Sidi Oqba), die eher an ein militärisches Bollwerk als an einen Ort der inneren Einkehr erinnert. Der eindrucksvolle Innenhof, der 20 000 Menschen fassen soll und auch Nichtmuslimen zugänglich ist, dient als Trichter für Regenwasser. Durch einen Abfluss in der Mitte wird das Wasser in unterirdische Zisternen geleitet, wo es für lange Trockenperioden gesammelt wird. Überhaupt spielte und spielt Wasser in der Stadtentwicklung eine wichtige Rolle. Zeugnis dieser meisterlichen Wasserbaukunst geben die Aghlabiden-Bassins. Karthago Wer hofft, auf den Spuren der alten Karthager wandeln zu können, wird zunächst enttäuscht sein: Wo bis Ende des 4. Jhs. eine der legendärsten Städte der Antike lag, stehen heute zwischen Palmen, Hibiskus und Mimosen Villen wohlhabender Tunesier. Besonders die punischen Funde in Karthago sind dürftig, wenn man die einstige Vormachtstellung der Stadt berücksichtigt. Beeindruckender sind die Überreste der römischen Kolonie. Die weit auseinander liegenden Ruinen sind in jedem Fall ein Erlebnis. Die Besichtigung von Karthago beginnt man am besten an den Punischen Häfen. Ein Bild davon, wie die Häfen in punischer und römischer Zeit ausgesehen haben, bekommt man bei einem Besuch des Ozeanographischen Museums. Zeugnis eines grausigen Kapitels der Stadt gibt der punische Opferplatz Tophet. Punische und römische Funde aus Karthago bewahrt das Musée national im Kloster auf dem Byrsa-Hügel. Einen Eindruck von der Pracht des römischen Karthago vermitteln die riesigen Antoninus-Pius-Thermen in herrlicher Lage am Meer. Dougga Tunesiens hügeliges Inland ist touristisch weniger erschlossen, und doch finden sich hier einige der bedeutendsten römischen Hinterlassenschaften der Welt. Die wohl eindrucksvollste Ausgrabungsstätte des Landes, Dougga, liegt 600 Meter über dem Meer auf einem Plateau. Der Besuch lohnt schon allein wegen des grandiosen Panoramas über die grüngelben Felder des Oued Khaled. Dougga war ursprünglich eine numidische Siedlung, die im römischen Geiste erweitert wurde, als sich Rom an die Befriedung des tunesischen Hinterlands machte. Ab dem 2. Jh. zeigten die Römer mit Tempeln und einem Forum ihren wachsenden Einfluss; Dougga erblühte im 3. Jh. zu einer wohlhabenden und wirtschaftlich wichtigen Stadt. Bei einer Besichtigung der Ausgrabungen sollte man sich Zeit nehmen und seinen Fantasien freien Lauf lassen. Eine typisch römische Stadt erwacht zum Leben, etwa am großartig erhaltenen Theater, vor allem, wenn das Theaterrondell alljährlich im Juni/Juli Schauplatz des Dougga-Festivals ist, bei dem antike Tragödien aufgeführt werden. Tozeur Die Oasenstadt im Süden des Landes nahe der Chotts, der Salzseen, ist idealer Ausgangspunkt für Erkundungen dieser einzigartigen archaischen Natur. Wohl deshalb ist westlich des Ortes ein Touristenzentrum entstanden, in dem Hotels und andere touristische Einrichtungen auf saharahungrige Gäste warten. Wer dem Rummel entfliehen und den Zauber des Südens finden möchte, braucht nur einen kleinen Spaziergang hinunter in die Oasengärten oder in die Altstadt zu unternehmen. Dass sich Tozeur in seinem Alltag auf Touristen eingestellt hat, erkennt man nicht nur an den Boutiquen mit Schmuck, Teppichen und Lederwaren nahe der zentralen Place Ibn Chabbat. Die Stadt ist auch Lieblingsziel von Filmproduzenten, die die unverfälschte Landschaft und die gut ausgebaute Infrastruktur schätzen. "Der englische Patient" und George Lucas' "Krieg der Sterne" wurden hier gedreht. Tozeurs schönster Stadtteil Ouled el-Hadef erstreckt sich nach Nordosten und erinnert Besucher aus aller Welt mit seiner charakteristischen Lehmziegelarchitektur wohl am meisten an die Bilder aus dem Kino. Ksar el-Hallouf Um Feinden und der gleißenden Sonne trotzen zu können, errichteten die Berber im Süden des Landes befestigte Lehmdörfer, so genannte Ksour (Plural von Ksar), die heute noch wie Adlerhorste an den Hügeln kleben. Für eine Tour in diese Region ins Bergland des Dahar sollte man mindestens drei Tage einplanen. Falls Sie sich keinem organisierten Ausflug anschließen, sondern einen Jeep zur Verfügung haben, steht Ihnen eine der aufregendsten Touren auf Wüstenpisten und Nebenstraßen bevor. Medenine, die moderne Provinzhauptstadt, ist der beste Ausgangspunkt für Fahrten zu den alten Berber-Wehrburgen. Die hoch über dem Dorf gelegene Speicherburg Ksar el-Hallouf, etwa 40 km hinter der Stadt gelegen, ist in erstaunlich gutem Zustand und daher auch einen Tagesausflug wert. Der alte Komplex diente teilweise als Hotel. Daneben kann man auch eine kleine Moschee und die Ölpresse besichtigen, die heute noch in Betrieb ist. El Djem Den alten Römern entging nicht, dass die Böden Nordafrikas bei Bewässerung außerordentlich fruchtbar sein konnten. Sie sammelten das kostbare Nass, das nach einem Regen die staubtrockenen Wadis in reißende Ströme verwandelt, in einem ausgedehnten System von teilweise unterirdischen Zisternen. So entwickelte sich die Region um El Djem im 2. Jh. zum größten Olivenanbaugebiet Nordafrikas und zu einer wohlhabenden, nach Karthago zweitgrößten Stadt des römischen Afrika. Erbe dieser Blütezeit und Wahrzeichen der Stadt, in der heute nur noch ein paar Tausend Menschen leben, ist das Amphitheater, das Besucher schon aus weiter Entfernung als riesenhaftes, rundes Monument empfängt. Der Theaterbau gilt als größter römischer nach dem Kolosseum in Rom, wurde aber nie fertig gestellt. Noch heute deutlich zu erkennen sind die Gefangenenverließe sowie die Raubtierkäfige - nirgendwo sonst lässt sich so ungestört durch Ruinen wandern wie in El Djem. |
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