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Wer denkt bei der Camarque nicht gleich an die weißen Pferde und rosa Flamingos, assoziiert mit der Côte d'Azur nicht spontan Glamour, süßes Nichtstun und herrliche Tage am Strand? Und verbindet man mit der Provence nicht duftende Kräuter, violette Lavendelfelder und Savoir-vivre?
Wie ein Kaleidoskop breitet die Provence ihre Schönheiten aus: in Städten wie Avignon, Nîmes, Aix-en-Provence und Arles vibriert die junge Kulturszene vor der Kulisse der römischen Antike. In den bizarren oder wildromantischen Höhenzügen der Alpilles und des Lubéron locken vielfältige Aktivangebote für Wanderer, Biker und Alpinisten. Alte Bergdörfer und manch schlichtes Bistro wecken mit feiner Küche auch die Lust, über Märkte zu bummeln. Zu Recht gilt die "himmelblaue Küste" zwischen Menton und der Hauptstadt Marseille mit ihren Magneten Monaco, Nizza, Cannes und St-Tropez als schick und teuer. Ein Teil ihrer Faszination liegt im reichen Erbe weltbekannter Künstler, ein anderer im glanzvollen Showbiz, ob Filmfestspiele in Cannes oder Grandprix-Rennen der Formel 1 in Monaco. Nicht zu vergessen das Fürstenhaus der Grimaldis und ein prachtvolles Casino. Miró, Picasso und Chagall begründeten den Ruhm der Fondation Maeght. Aix-en-Provence Aix-en-Provence, die Wirkungsstätte des impressionistischen Malers Cézanne, ist Kulturzentrum, Universitätsstadt und historischer Ort in einem. Um sich hier wohl zu fühlen, muss man nicht unbedingt im Juli anreisen, wenn das Festival International d’Art Lyrique et Musique die Stadt mit ihren verwinkelten Gassen und romantischen Plätzen in einen riesigen Konzertsaal verwandelt. Ein Erlebnis ist schon der Bummel auf dem im Zentrum gelegenen Cours Mirabeau mit seinen vielen Brunnen und schattigen Platanen. In schicken Palais mit reichen Fassaden reihen sich hier Cafés, exquisite Geschäfte, Restaurants und Buchhandlungen aneinander. Ein Besuch der Cathédrale Saint-Sauveur ist sehr zu empfehlen. Um ihren architektonischen Kern, das aus dem 5. Jh. stammende Baptisterium, legten sich im Laufe der Jahrhunderte Anbauten der verschiedensten Stile. Sehenswert sind auch die Renaissance-Türflügel des Hauptportals sowie das Triptychon von Nicolas Froment aus dem 15. Jh. Arles Überschaubar, von typisch südländischem Charakter und eher geruhsam: So präsentiert sich Arles, die von den Römern gegründete Stadt an der Rhône. Weltweit bekannt geworden durch einige der schönsten Bildmotive Vincent van Goghs, künden noch heute eine Fülle steinerner Bauten und Relikte von ihrer glanzvollen Vergangenheit. Auf einer Anhöhe liegt das zweistöckige römische Amphitheater mit stolzen 136 m Länge und 107 m Breite. Bis zu 12000 Zuschauern bietet es Platz, wenn hier während der Sommermonate statt der einstigen Gladiatorenkämpfe die Courses Camarguaises stattfinden. Bei dieser unblutigen, französischen Variante des Stierkampfes muss dem Stier eine zwischen seinen Hörnern befestigte Kokarde entrissen werden. In den Räumen des Musée de l’Arles Antique erwarten den Besucher neben römischen Skulpturen und Mosaiken frühchristliche Sarkophage und schattige Kühle. Avignon Die Brücke, auf der alle tanzen, kommt beim Stichwort Avignon wohl den meisten in den Sinn. Doch hat man die wuchtige Stadtmauer mit ihren mittelalterlichen Türmen erst einmal hinter sich gelassen, spielen die Überreste dieser Pont St-Bénézet nur noch eine Nebenrolle. Von derart einnehmender Wirkung sind die baulichen Zeugnisse von Macht und Glanz der Päpste, die zwischen 1309 und 1377 ihren Hof hierher verlegt hatten. Den architektonischen Höhepunkt bildet das wuchtige, zinnenbewehrte Palais des Papes. Der als Festung angelegte Papstpalast besteht aus dem nüchternen Palais Vieux und dem Palais Neuf im prunkvollen gotischen Stil. Obwohl sein Inventar weitgehend verloren gegangen ist, lohnt sich ein Besuch der Innenräume, allein wegen der prachtvollen Fresken in zwei Kapellen und den päpstlichen Privatgemächern. Liebhaber der Malerei jener Zeit kommen außerdem im angrenzenden Musée du Petit Palais auf ihre Kosten. Montagne du Lubéron Die nördlich von Aix in West-Ost-Richtung verlaufende Bergkette des Lubéron ist eine kleine, faszinierende Welt für sich. Flüchteten sich im Mittelalter verfolgte religiöse Gemeinschaften in den Schutz ihrer schroffen Felswände und einsamen Wälder, so sind die winzigen Ortschaften heute ein beliebter Zweitwohnsitz vermögender Franzosen. Ein Anziehungspunkt ist der Lubéron vor allem wegen seiner abwechslungsreichen Wandermöglichkeiten. Seine vegetationsreichen Gebirgszüge beginnen im Westen, dem so genannten Petit Lubéron, auf 700 m Höhe. In ihrer Osthälfte, dem Grand Lubéron, steigen sie dann allmählich hinauf bis auf über 1100 m, zu den Gipfeln des Mourre Nègre. Über große Teile dieses Gebiets erstreckt sich der beliebte Parc naturel régional du Lubéron. Eine Besonderheit der Gegend sind die so genannten “Bories”, kleine Rundbauten aus aufgeschichteten Steinen. Schon in frühester Zeit dienten sie als Unterkünfte und Überdachungen für Zisternen. Nîmes Auf den Spuren der Römer zu wandeln ist in Nîmes alles andere als mühsam. Vom reichen Erbe bekommt bereits einen Vorgeschmack, wer sich der Stadt von Norden aus bis auf 20 km nähert. Denn dort trifft man auf den Pont du Gard, jenes berühmte Relikt der steinernen Wasserleitung, mit der die Römer aus 50 km Entfernung Nîmes mit Wasser versorgten. Zusammengesetzt aus drei Geschossen übereinander gestellter Rundbögen, hat das elegante Bauwerk eine Höhe von 49 m und ist 275 m lang. Noch besser erhalten sind das im Zentrum gelegene Maison Carrée, ein römischer Tempel mit sechs 30 m hohen Säulen, und das Amphitheater. 24000 Besucher haben bei künstlerischen oder sportlichen Veranstaltungen darin Platz. Dem Carré d’Art sollte seine Schritte zuwenden, wer Lust auf die Moderne hat. In dem vom britischen Architekten Sir Norman Foster entworfenen Gebäude sind eine Mediathek sowie das Museum für zeitgenössische Kunst untergebracht. Antibes In unmittelbarer Nähe zu Cannes und Nizza liegt Antibes, aber es präsentiert sich weitaus ruhiger und beschaulicher als seine beiden Nachbarstädte. Ein Vorzug, den vielleicht schon Picasso schätzte, der ab 1946 das ehemalige Schloss der Grimaldis zu seinem dauerhaften Wohnsitz nahm. Kleine, verwinkelte Gassen prägen die hübsche Altstadt. Umgeben ist sie von einem gut erhaltenen, direkt ans Meer grenzenden Mauerring, den Vauban, der Baumeister Ludwig XIV., im 18. Jh. verstärken ließ. In der Stadt selbst sind vor allem die eiserne Markthalle im Jugendstil sowie die Rosenkranzmadonna von Louis Bréa in der Kathedrale sehenswert. Auf der von Platanen umstandenen Place Nationale sollte man unbedingt einen Kaffee trinken, bevor man sich auf den Weg zur Hauptattraktion des Ortes, dem Musée Picasso, macht. Gezeigt wird eine reiche Werkauswahl des Künstlers: Sie reicht von Keramiken über Skulpturen bis hin zu Gemälden. Zu sehen sind aber auch Bilder von Miró, Cocteau und Max Ernst. Cannes Vom Filmsternchen zum Leinwandstar: Im mondänen Cannes erinnert nur noch wenig an das einstige verschlafene Fischerdorf, allenfalls seine wenigen Altstadtgässchen, sein mittelalterlicher Wachturm und die Wallfahrtskirche Notre-Dame-de-l’Espérance. Und natürlich sein Hafen, wo neben Fischerbooten die Luxusjachten vertäut sind. Was die Stadt prägt, sind ihre exquisiten Geschäfte, die Villen, die legendären Hotels und Kasinos. Ob zur Zeit der Internationalen Filmfestspiele im Mai oder anlässlich der Regatten im September: Hier trifft sich, was Geld, Rang und Namen hat. Trotzdem muss man nicht unbedingt reich sein, um Spaß zu haben, etwa bei einem Gang über den Blumenmarkt an der Allée de la Liberté oder einem Bummel auf der palmengesäumten Promenade de la Croisette. Hier steht das bunkerartige Festival- und Kongress-Palais, das man sich schon wegen der kuriosen Handabdrücke großer Filmstars auf der Allée des Etoiles anschauen sollte. Lohnenswert ist ein Ausflug auf die Insel Ile Ste-Marguerite, die schon Cannes’ Wahlbürger Picasso schätzte. Fondation Maeght Es kommt selten vor, dass eine Kunstsammlung von Weltrang ein abgelegenes Dorf zum Standort hat. Das kleine St-Paul-de-Vence im Hinterland von Nizza verdankt diese Ehre dem Ehepaar Maeght, das dort 1964 ein Museum mit Werken moderner Künstler gründete. Braque, Matisse, Miró und Picasso sind nur einige ihrer Namen. Natürlich traf die Wahl St-Paul nicht zufällig: Als die künstlerische Elite Europas in den 20er Jahren des 20. Jhs die Landschaft der Côte d’Azur entdeckte und dort Inspiration und Erfüllung fand, wurde der Ort zu einem beliebten Treffpunkt der Avantgarde. 40 Jahre später bezog man einige dieser Maler und Bildhauer in die Museumsgestaltung mit ein, so dass eine außergewöhnliche Synthese von (Bau-)Kunst und Natur gelang: Ein Pinienhain mit Skulpturen von Giacometti umgibt das Gebäude; im Inneren kann man etwa ein Wandmosaik von Chagall oder ein Keramiklabyrinth von Miró bewundern. Die Dauerexponate der Sammlung werden ergänzt durch temporäre Ausstellungen. Iles d’Hyères “Goldene Inseln” (Iles d’Or) - so lautet die Kurzbezeichnung der drei Inseln vor der Küste von Hyères. Alle drei sind ein Synonym für eine weitgehend intakte Natur und einen hohen Freizeitwert. Außerdem setzt jede von ihnen ihre ganz eigenen Akzente. Da ist zunächst die Ile de Porquerolle mit ihren herrlichen Badestränden. Die Insel ist den Fußgängern vorbehalten. Das Fahrrad ist das einzige zugelassene Verkehrsmittel. Die 400 Bewohner leben vor allem vom Tourismus, aber auch Obst wird angebaut, u. a. 155 verschiedene Pfirsichsorten. Ein ungewöhnlicher Gegensatz prägt die Ile du Levant. Während 90 % ihrer Fläche militärisches Sperrgebiet sind, ist der restliche Teil der Insel fest in der Hand der Nudisten. Ihr Dorf Héliopolis wurde bereits 1931 gegründet. Die Felseninsel Port-Cros schließlich ist aufgrund ihrer interessanten Unterwasserwelt ein begehrtes Ziel der Schnorchler und Taucher. Und die reiche Flora des Nationalparks über Wasser steht derjenigen unter Wasser in nichts nach. St-Tropez Schon zu Beginn des 19. Jhs. zog der idyllische Fischerort eine Handvoll bedeutender französischer Maler wie Matisse, Braque oder Signac in seinen Bann. Zu einem Mythos aber wurde er erst, als ihn Roger Vadim zum Drehort eines Films mit der jungen Brigitte Bardot machte. Seitdem tummelt sich hier der Jetset, inklusive eines riesigen Pulks an Schau- und Badelustigen. Groß ist die Auswahl an langen Sandstränden in der unmittelbaren Umgebung. So haben die Surfer La Bouillabaisse für sich entdeckt, während man sich im Familienverband gerne in Les Graniers oder Les Canebiers bräunt. Für Abwechslung vom süßen Leben ist bestens gesorgt. Zum Beispiel im Musée de l’Annociade: Hier lässt sich an rund 100 Werken studieren, wie französische Maler zwischen 1890 und 1949 ihre Inspirationen bildlich verarbeiteten. Einen schönen Ausblick auf die Bucht und das Hinterland hat man von der Citadelle aus, in der das Marine- und Lokalgeschichtsmuseum untergebracht ist. Nizza Bebaut schon von Griechen und Römern, überrannt von Sarazenen, belagert von Türken und Franzosen: Nizza, die Großstadt der Côte d’Azur, hat mehr zu erzählen, als es ihr dominierendes Belle-Époque-Gesicht zunächst vermuten ließe. Zwar steht hier das berühmte, 1913 eröffnete Grandhotel Negresco mit seinen prunkvollen Teppichen und Lüstern und der von Gustave Eiffel entworfenen Kuppel. Aber schon die Altstadt, der Babazuok, wie sie die Einheimischen nennen, hat einen anderen, italienisch geprägten Charakter. Und einen Sprung in die römische Vergangenheit macht schließlich jeder, der die Arena im nördlichen Stadtteil Cimiez aufsucht. Dort steht auch die Villa des Arènes, in der ein dem Maler Matisse gewidmetes Museum untergebracht ist. Und noch ein Künstler hat sein eigenes Haus, im Musée Chagall, für das er eigens ein Mosaik, eine Tapisserie und die Glasfenster schuf. Marseille Marseille, das "Tor zum Orient", ist bei weitem besser als sein Ruf. Leider wird mit der Hafenmetropole oft nur Kriminalität und Fremdenfeindlichkeit assoziierten. Von Weltrang ist etwa die künstlerische Qualität seiner Jugendstil-Oper. Und auch das Ballett und die Theater brauchen den Vergleich nicht zu scheuen. Darüber hinaus haben der ältesten Stadt Frankreichs zahlreiche Kulturen und Völker ihren Stempel aufgedrückt. Ihre lange Geschichte, die mit der Gründung durch griechische Seefahrer im Jahre 600 v. Chr. begann, erzählt das Musée d’Histoire de Marseille sehr anschaulich. Äußerst reizvoll ist der Bummel auf Marseilles Prachtstraße La Canebière, die unmittelbar auf den Vieux Port führt, den alten Hafen der Stadt. Hier wird täglich Fischmarkt abgehalten. Die unübersehbar über der Stadt thronende, recht kitschige neobyzantinische Kirche Notre-Dame-de-la-Garde ist wegen ihrer einmaligen Aussicht zu empfehlen. |
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